Ein "Familienausflug" in die Senne, in "entspannter Atmosphäre", die Artenvielfalt ist zu besichtigen, die britischen Streitkräfte haben eingeladen und Minister Remmel kann sich vorstellen, dass demnächst der Truppenübungsplatz "parallel" genutzt wird als Nationalpark. Alles idyllisch?

Das langzeitige Üben für den Krieg ist in diesem Terrain nicht ohne nachhaltige Schäden für Umwelt und Natur geblieben. Eben deshalb sind solche "Ausflüge" ja nur auf eingegrenzten Wegen möglich - und lediglich dann, wenn beim Training für den Kriegseinsatz gerade mal Pause ist.

Denn das ist der Alltag mitten im dicht besiedelten Ostwestfalen-Lippe: Schießlärm bei Tag und Nacht, Panzer mahlen durch den Sennesand;

Geschosse automatischer Waffen, Maschinengewehre, Schnellfeuerkanonen von 5,6 bis 30mm feuern mit bis zu 1200 Schuss pro Minute in Heideflächen, Dünen und Wälle; Granatwerfer und Raketen schießen scharf; Und Platzpatronen, Blendgranaten, Leuchtraketen verbreiten ihre giftigen Rückstände.

Die Britische Armee will uns Senne-Sand in die Augen streuen und sich als Naturschützer aufführen. Dies soll von ihrer Pflicht ablenken: Aufräumen und wegräumen, was wegzuräumen geht, die vergrabenen Altlasten ans Licht bringen, die Gifte entsorgen. Die Bundeswehr wird schon als nächster „Naturfreund“ ins Spiel gebracht, den Truppenübungsplatz Senne zu übernehmen. Ganz oder als parallele Nutzung für Militär und als Nationalpark, wie es sich NRW-Umweltminister Remmel und Naturschutzverbände durchaus vorstellen können. Im Nationalpark Hainich gibt es einen Baumkronenpfad, der den Besuchern einen Überblick über sonst unzugängliche Bereiche gibt. So etwas wird wohl dann auch in der Senne aufgebaut, mit einem Blick von hoch oben sowohl auf einen Nationalpark Senne als auch auf die Manöver und Kriegsübungen der Bundeswehr - untermalt von einem Mix aus Vogelgezwitscher und Gefechtslärm. Doppelnutzung eben!

Ein Foto vom "Familienausflug" jetzt zeigt, wie Kinder einen Panzer "als Kriegsgerät erobern". Was soll daran "spaßig" sein? Solcherart Sichtweise täuscht hinweg über die bittere Realität der Verwendung militärischer Geräte im "Ernstfall"; in Massen wurden und werden auch Kinder deren Opfer.

Wir sagen: 120 Jahre Truppenübungsplatz sind genug. Die Senne, Raum für die Natur und Raum für den Menschen, die Natur zu erleben – in Frieden!

Für den Aktionskreis FREIE SENNE:
Dr. Peter Witte
Manfred Jäger
Hartmut Linne
Prof. Dr. Arno Klönne
Carsten Schmitt

(Foto: Robin Jähne)