"Die FDP steht hinter Michael Dreier", heißt es in der "Neuen Westfälischen", und im  "Westfälischen Volksblatt" wird berichtet: "Liberale verzichten auf eigenen Kandidaten" . So ganz genau ist mit diesen Überschriften der Sachverhalt nicht getroffen, denn der Paderborner FDP- Vorstand hat sich dafür entschieden, zur Wahl des CDU-Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters aufzurufen; einen Beschluss der Mitglieder gibt es nicht. 

Die hiesige FDP, so  ihr Vorsitzender Karsten Grabenstroer, sehe in dem CDU-Kandidaten Michael Dreier die Chance, "liberale Politik im Bürgermeisteramt anzusiedeln". Dreier wiederum versicherte, der FDP gelte seine "besondere Wertschätzung", selbst wenn die CDU im Rat die absolute Mehrheit gewinne und auf Bündnispartner nicht angewiesen sei. Wörtlich: "Wie mit der CDU werden die Dinge auch mit der FDP im Vorfeld sehr eng besprochen." Also kein Blatt Papier zwischen Bürgermeister und FDP wie CDU? Und alles "im Vorfeld", also vor einer Meinungsbildung im Rat, christfreidemokratisch schon ausgehandelt?

Es sind merkwürdige Vorstellungen von der Funktion eines Bürgermeisters, die da zutage treten. Der Lektüre der nordrheinwestfälischen Kommunalverfassung können sie nicht entstammen.

Der CDU-Kandidat nannte drei Überzeugungen, bei denen große Schnittmengen mit der FDP bestünden: 

Erstens: "Wenn es den Unternehmen gut geht, geht es auch den Menschen gut." So ohne weiteres und in jedem Falle und für alle Menschen? Dann wären die Sozialausschüsse in der CDU ganz überflüssig, und in der FDP hätten Sozialliberale nichts mehr zu suchen.

Zweitens: Bildung sei wichtig, man wolle die Universität weiter voranbringen. Wer möchte das nicht - aber in welcher Perspektive? 

Drittens Finanzen: "Wir müssen mit Steuermitteln so umgehen wie mit unserem eigenen Geld." Da kommt man endgültig ins Grübeln. 

Das "eigene Geld" ist bei den Bürgerinnen und Bürgern ziemlich unterschiedlich verteilt, woraus sich auch unterschiedliche Umgangsweisen mit demselben ergeben. Es gibt Menschen, die soviel eigenes Geld haben, dass sie leichter Hand damit finanzspekulieren können. Und dabei auf den Gedanken kommen, Steuern einzusparen. Andere wiederum sind auf öffentliche Leistungen angewiesen, die aus Steuermitteln bezahlt werden müssen. Und ist ein städtischer Haushalt "eigenes Geld"? Wer sind die Eigner?

Über all diese Dinge können wir jetzt nachdenken. Möglichst vor der Wahl des Bürgermeisters.