Deshalb ist es richtig, immer wieder dagegen zu halten, damit das reaktionäre Gift nicht schleichend in die Mitte der Gesellschaft fließt, wo es oft genug schon anzutreffen ist. Weil wir die Garanten für eine zukunftsfähige demokratische Gesellschaft sind und nicht die politischen Brunnenvergifter, egal wo sie auftreten, ob morgen wieder auf dem Paderborner Rathausplatz, in den Parlamenten oder in den Schreibstuben der Redaktionen.

Das wird aber nicht reichen, weil Millionen in diesem Land verunsichert und verängstigt sind und diese Angst kein guter Ratgeber ist. Diese Angst und Verunsicherung, die weit in die bürgerlichen Milieus hineinreichen, ist ja nicht zufällig entstanden. Sie ist Ergebnis einer jahrelangen Politik, die die Reichen immer reicher und die Armen immer zahlreicher werden ließen. Wenn die Frage also gestellt wird, ‚Was zu tun sei ?‘, geht es nicht ohne eine gründliche Ursachenforschung.

Dann würde auch klar, dass den Menschen mit geringem oder gar keinem Einkommen wieder eine wirtschaftliche und damit soziale Perspektive geboten werden muss, die ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Dann würde klar, dass wir uns mehr um die vielen Kinder kümmern müssen, die in Familien aufwachsen, die gerade das nötigste zum Leben haben. Kinder als Armutsrisiko in einem reichen Land, welch ein Skandal.  Und dann würde klar, dass man Millionen Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, nicht mit einem Butterbrot abspeisen kann, wenn sie keinen Mehrwert mehr produzieren können.

Und dann würde auch klar, dass die Eliten, die politischen Entscheider und die gesellschaftlichen Institutionen einen politischen Kurswechsel vornehmen müssen. Es ist doch verheerend, zu sehen, wie auf allen gesellschaftlichen und politischen  Ebenen im Kern eine Politik des „Weiter so“, in der Asyl- und Flüchtlingspolitik  sogar eine „Schlimmer-noch-Politik“ betrieben wird.

Was heißt das jetzt alles für Paderborn?

Wir brauchen auch in Paderborn den „Schulterschluss der Demokraten“! Wir brauchen die verstärkte Zusammenarbeit der Verbände, der Vereine, der Religionsgemeinschaften und Kirchen, der Institutionen und der politischen Organisationen und natürlich auch der politischen Parteien in dieser Stadt. Das sage ich auch ganz bewusst vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlkämpfe. Wenn sich das Wahlvolk nicht weiterhin angewidert abwenden soll müssen Antworten geliefert werden, Antworten für die konkreten Fragen und Probleme der Menschen in dieser Stadt. Worthülsen, Sprechblasen und Politiksprech sollten nicht mehr geduldet werden.

Wer Hartz IV und Kindergeld nur um lächerliche Beträge erhöhen will, soll sagen, wofür die reichlich fließenden Steuermilliarden stattdessen ausgegeben werden sollen. Wer Renten kürzen will, soll sagen, dass ein menschenwürdiges Leben im Alter nicht vorgesehen ist. Und wer Flüchtlinge weiter drangsalieren und rücksichtslos abschieben will, soll sein christliches Menschenbild erklären.