"Kampf um Paderborn": Bürgermeister Liborius Wichart (ca. 1550 - 1604, Bildmitte, mit gefiedertem Hut) entreißt dem bischöflichen Bevollmächtigten die Kapitulationsurkunde der Stadt. - Derlei Aktionen sind von Andreas Krummrey, der dem Liborius im Amt nachfolgen möchte, nicht zu erwarten. (Quelle: Ev. Kirchenkreis Paderborn)

Auch in Paderborn muss demnächst ein neuer Bürgermeister her. Es gibt zwei Kandidaten, obwohl die Meinung weit verbreitet ist, in dieser Stadt habe die CDU das besagte Amt gepachtet. Der nicht christdemokratische Bewerber ist unangezweifelt Demokrat und Christ, allerdings protestantischer. So schlimm ist das aber nicht, denn wir leben ja im Zeitalter der Ökumene, und für ihn selbst besteht keine Gefahr an Leib und Leben, denn inzwischen wird auch an der Pader ein Protestant als Bürgermeister nicht mehr gevierteilt, wie es einst dem armen Borius Wichart geschah. Andreas Krummrey, den Herausforderer des CDU-Kandidaten, unterstützen SPD, Grüne und die DIP, der die Heimatzeitungen nachsagen, sie sei links. Krummrey ist seit langem Inhaber eines SPD-Mitgliedbuches, versteht sich jedoch nicht als Statthalter dieser Partei. In seinem Beruf als Polizeidirektor ist er auch nicht etwa dadurch aufgefallen, dass er der SPD Freund- und Helferdienste geleistet hätte, er waltet überparteilich seines Amtes und gedenkt dies ebenfalls zu tun, wenn er Bürgermeister wird. 

Nun hat, das versteht sich, auch ein überparteilich denkendes Parteimitglied seine persönliche politische Meinung, und Krummrey hat (nach einem Bericht der "Neuen Westfälischen") bei seiner Präsentation bekannt gemacht, um welche es sich dabei nicht handelt: Er sei, so sagte er, kein Anhänger des Sozialismus oder des Kommunismus. Da werden manche Paderbörnerinnen und Paderbörner aufgeatmet haben - selbst wenn der Mann auf den Bürgermeisterstuhl kommt, der Devise "Eigentum ist Diebstahl" wird er nicht folgen, das Eigenheim ist gerettet und der Paderborner Mittelstand behält seinen Besitz.

Freilich bleibt ein kleines Unbehagen: Im gültigen Programm der SPD, deren Mitglied Krummrey ist, findet sich mehrfach das Bekenntnis zum Sozialismus (zum demokratischen selbstverständlich), von einer "stolzen sozialistischen Tradition" der Partei ist sogar gleich zu Beginn des Textes die Rede, und dem demokratischen Sozialismus ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Kann man sich dennoch darauf verlassen, dass keine Gefahr sozialistischer Experimente an der Pader besteht? Ich bin ganz sicher: Ja. Möglicherweise haben unsere hiesigen SPDler und hat auch der Bürgermeisterkandidat das Programm der eigenen Partei gar nicht gelesen, weil sie wissen: Auch rotes politisches Programmpapier vergilbt rasch, mit dessen Lektüre muss man nicht die Zeit vertun. 

Die Moral dieser Geschichte: Auch ängstliche BürgerInnen der Paderstadt müssen, was die Bürgermeisterwahl betrifft, nicht schwarz sehen oder wählen und sie können, wenn ihnen danach ist, ruhigen Gemütes dem Kandidaten Krummrey ihre Stimme geben. Eine Revolution steht der Stadt nicht bevor, auch keine diese strafende Hinrichtung. Was einem unruhestiftenden Bürgermeister geschehen kann, wurde hierorts vor vierhundertzehn Jahren zu pädagogischen Zwecken demonstriert.

Quelle: www.linkesforum-paderborn.de