Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Eltern und Schülerinnen und Schüler klagen über Überforderung, Mediziner weisen deutlich auf den krankmachenden Schulstress hin, Sportvereinen und Musikschulen fehlen vielfach die jungen Leute und Universitäten führen zunehmend „Prä-Exzellenz-Kurse“ ein, um den Neustudenten fachlich und methodisch auf die Sprünge zu helfen.

„Fast alle Parteien im Landtag haben mittlerweile begriffen, dass es so nicht weitergehen kann. Aber eine endlose Geschichte der Reformfummelei ist weder den Schülerinnen und Schülern noch den Lehrkräften zumutbar und ist auch gesellschaftlich gesehen nicht angesagt“, sagt Köllner.
Eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren (G9), aber ohne die Roll-back-Strategie der Initiative, hält sie für eine sinnvolle Herangehensweise.

Den Initiatoren des Volksbegehrens geht es darum, die Lernzeit auf 30 Unterrichtsstunden pro Woche (180 Jahreswochenstunden insgesamt in Klasse 5 -10) zu begrenzen und damit explizit wieder das Halbtagsgymnasium einzuführen.
„Die Annahme, dass jedes Kind nach 6 Stunden Unterricht zu Hause eine Situation vorfindet, die es ihm ermöglicht, gut weiter zu lernen, hat mit der Realität nicht viel zu tun. Die Forderung nach einer 30-Stunden-Woche verhindert die Chancengleichheit für Kinder, die aus bildungsferneren Familien stammen oder deren Eltern ganztägig berufstätig sind und ist deshalb nicht akzeptabel“, so Köllner. „Oder wollen die Initiatoren das Gymnasium als Eliteschule gegenüber der Gesamtschule abgrenzen?“
Auch die im Text des Volksbegehrens vorgesehene Schulgesetzänderung mit der Festlegung auf 180 Jahreswochenstunden für alle Schulen im Sek I-Bereich beschneidet die Stundentafel für Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen um 8 Stunden. Diesen Schulen würden damit Stunden für individuelle Förderung und Ergänzungsunterricht entfallen. Stunden, die im Sinne der Chancengleichheit auch einem Gymnasium gut zu Gesicht stehen.
„Die Rückkehr zu G9 wird nur dann zu einem echten Fortschritt, wenn damit auch gute Lernbedingungen für Kinder aller sozialen Schichten geschaffen werden“, fasst Köllner ihren Standpunkt zusammen.