Informierten und diskutierten zum Thema Carsharing, v.l.: Martina Schu, Fraktion Die Linke im Paderborner Kreistag, Willi Loose, Bundesverband Carsharing und Roswitha Köllner, Ratsfrau der Demokratischen Initiative Paderborn

Carsharing, also die gemeinschaftliche Nutzung von Automobilen, ist seit einigen Jahren rasant auf dem Vormarsch, Tendenz weiter steigend. Mittlerweile gibt es in fast allen Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern mindestens einen Anbieter. Unbestritten ist der ökologische Gewinn durch Carsharing – und für private oder gewerbliche Nutzer lässt sich zudem viel Geld einsparen. Auf Einladung der Demokratischen Initiative Paderborn (DIP) und der Kreistagsfraktion der Linken referierte Willi Loose vom Bundesverband Carsharing zu den Möglichkeiten der Umsetzung dieses Mobilitätskonzeptes vor Ort.

Roswitha Köllner, Ratsfrau der DIP, betonte in ihrem Eingangsstatement, dass Carsharing ein „wichtiger Baustein für regionalen Klimaschutz“ sei. Neben den, auch kostenmäßigen, Vorteilen für die Nutzer lasse sich durch ein funktionierendes Carsharing-System ein „beträchtlicher Attraktivitätszuwachs für eine Kommune“ erzielen. Martina Schu, Verdi-Organisationssekretärin und Mitglied der Paderborner Kreistagsfraktion der Linken, ist selbst Nutzerin von Carsharing in Bielefeld. „Die Vorteile liegen auf der Hand: Laufende Kosten, Wartung und Reparatur eines Fahrzeugs werden auf viele Schultern verteilt, ich bezahle nur, was ich tatsächlich verbrauche, Kurzfahrten inklusive.“ In Bielefeld sei eine gelungene Kombination aus Carsharing und Personennahverkehr realisiert, gemeinsame Tarifangebote förderten die flexible Nutzung unterschiedlicher Angebote.

Willi Loose vom Bundesverband Carsharing betonte, dass sich Carsharing immer dann finanziell lohne, wenn eine private oder gewerbliche Unternutzung eines Fahrzeugs vorliege. „Eine Carsharing-Flotte lässt sich viel gezielter auf das wirkliche Nutzungsverhalten abstimmen. Die laufenden Fixkosten für ein Fahrzeug, die sich beträchtlich aufsummieren können, entfallen für den einzelnen Nutzer.“ Bei größeren Firmenkunden mit geringer Auslastung einzelner Betriebsfahrzeuge könne Carsharing zu nennenswerten Einsparungen führen. Zudem falle die Ökobilanz positiv aus: „Im Unterschied zu Privatflotten verbrauchen Carsharing-Flotten 15 bis 20 Prozent weniger Kohlendioxid“, da sich die Anbieter auf den Einsatz besonders umweltfreundlicher Fahrzeuge verpflichtet hätten. Ein weiterer „erzieherischer Effekt“ des Carsharings bestehe darin, dass die Nutzer vermehrt auf Angebote des Öffentlichen Personennahverkehrs zurückgriffen.

Bei der Etablierung eines Carsharings-Angebots in einer Kommune seien, so Loose, in der Anfangszeit größere „Ankerkunden“ nötig, um eine rentable Grundauslastung zu gewährleisten. Monika Bürger, Leiterin des Hauptamtes der Paderborner Stadtverwaltung, konnte in diesem Zusammenhang darauf verweisen, dass die hiesige Kommunalverwaltung mit rund 2000 Mitarbeitern seit einiger Zeit die Einführung von Carsharing im Rahmen eines Nutzungsmixes von Verkehrmitteln diskutiere. Da in Bielefeld die von Bodelschwingschen Anstalten (Bethel) ein Großkunde des Carsharing-Anbieters „Cambio“ seien, wurde aus dem Publikum zusätzlich der Vorschlag gemacht, Möglichkeiten der Zusammenarbeit etwa mit Paderborner Wohlfahrtsverbänden auszuloten.

Willi Loose unterbreitete den anwesenden Kommunalpolitikern zum Abschluss der äußerst fachkundigen Veranstaltung den Vorschlag einer Informationsfahrt des Stadtrates zu einer Kommune, in der Carsharing erfolgreich umgesetzt wird. Der Bundesverband stünde als Organisator hierzu gern bereit.