Betrifft: „Woche der Militärmusik“ vom 12. bis 16. Mai in Paderborn.

Von Irmgard Konrad

Sind wir nicht mit diesem Tschingderassabum vor 100 Jahren gegeneinander losmarschiert? Und vor 75 Jahren aufs Neue? – Jetzt sollen just diese Klänge der „Völkerverständigung“ dienen? Wer hat sich so was einfallen lassen? – Oder steckt doch die Intention dahinter, Militär und Kriegsdienst zu verharmlosen? Für den Kriegsdienst zu werben?

Schließlich hat jeder Krieg mit flatternden Fahnen, schnittigen Uniformen und schmissiger Marschmusik begonnen. Hört man sich die unsäglichen Politikersprüche zu Bundeswehr-“Einsätzen“ an, dann muss man das befürchten. Hat doch gar unser Bundespräsident Gauck kürzlich gemeint: „Manchmal kann auch der Einsatz von Soldaten erforderlich sein.“ Weil Deutschland „vom globalen System“ profitiere, müsse es sich von seiner „Selbstbezogenheit“ lösen und „ordnungspolitische Interessen“ durchsetzen. (Rede bei der Münchener Sicherheitskonferenz).

„Ordnungspolitische Interessen“ setzen wir zum Beispiel durch, wenn Soldaten Tankschiffe vor Piraten an Somalias Küste sichern. Warum wurden die Piraten zu Piraten? Große Trawler haben Somalias Fischgründe leergefischt. Industriestaaten haben ihren Atommüll an Somalias Küste verklappt. Ja, wovon sollen die Männer ihre Frauen und Kinder ernähren, nachdem man sie ihrer Lebensgrundlagen beraubt hat? – Auf welcher Seite ist denn das Unrecht? Unsere Soldaten sollen den Somaliern gegenübertreten und die Menschenrechte verteidigen? Wessen Menschenrechte? Der Bundespräsident sagt es recht unverblümt: Kriege nutzen den deutschen Interessen. Besser: der deutschen Wirtschaft. Noch genauer gesagt: den Großkonzernen.

Würden wir die Steuergelder nicht in Rüstungsproduktion und Militär stecken, wäre genug da, Rohstoffe bei angemessener Bezahlung und bei menschenwürdigen Arbeitsbedingungen im Abbau-Geschäft zu importieren. Und wir machten uns „Freunde mit dem ungerechten Mammon“.

Die Ironie der Kriege: Deutsche Soldaten müssen damit rechnen, dass ihnen bei Kampfeinsätzen Munition aus deutschen Waffen um die Ohren fliegt. Denn wir sind 3. Weltmeister im Waffenexport. Steuerlich abgesichert!

Und auch das noch: Sogar im Paderborner Dom soll Militärmusik im Mai ertönen. Wer hat DAS abgesegnet? Es ist unglaublich! Kann man den gewaltfreien Nazarener übler verleugnen? Die katholische Hierarchie lässt aber auch gar nichts mehr aus, die Glaubwürdigkeit der Kirche gegen die Wand zu fahren!

Man muss schon ein sehr schwaches historisches Gedächtnis, eine gehörige Portion Ignoranz und sträfliche Gleichgültigkeit aufbringen, um sich an einer „Woche der Militärmusik“ erfreuen zu können.

Abbildung Foto: Musikkorps des 1. (Ostpreußischen) Grenadier-Regiments Nr. 1 „Kronprinz“ (Quelle: Wikipedia)