Eine in Teilen „ungewöhnliche Diktion“ kennzeichnete die Liborimahlrede von Kardinal Reinhard Marx im Paderborner "Jahr der Superlative" (Erstligaaufstieg - Fußballweltmeister - Libori). Zwar hört man es hier gern, wenn ein Vergleich von Oktober- und Liborifest zuungunsten des Ersteren ausfällt, weil diesem das Kirchen-K fehle (das ist übrigens nicht antibayerisch gemeint: Bayern-Folklore steht an der Pader hoch im Kurs). Doch was im Himmel sollte diese radikal anmutende Kapitalismuskritik?

„Soziale Marktwirtschaft“ forderte Marx ein, bei deren Verwirklichung die Kirche irgendwie helfen könne. – Okay. Aber eine Geißelung von Kapitalvermehrung ohne Arbeit, gar die Forderung nach „Überwindung des Kapitalismus“ (sic!)? Das ging entschieden zu weit, und so zeigte sich sicher nicht nur der Libori-Gildemeister W. Zumdieck verschnupft; er brach eine Lanze für den gar nicht so gefühlskalten Mittelstand. Der habe mit „reinem Kapitalismus“, den Marx ja ablehnt, nichts zu tun.

Bei Unbehagen dieser oder jener Art: Leicht zu packen ist dieser Marx nicht. Denn er legte sich für das Freihandelsabkommen TTIP ins Zeug, wie das ja auch die Kanzlerin und Elmar Brok tun. Das war dann wieder in christdemokratischer Ordnung.

Zwei Unterschriften hat Kardinal Marx am Liborimahltag noch geleistet, zu vorgefertigtem Text. Vielleicht hat er noch das eine oder andere Festbier (erfolgreicher Anstich durch Neubürgermeister Dreier) getrunken. Eine Kollision seiner Kettenkarussellgondel mit der Dachrinne des CDU-Centers ist dem Purpurträger offenbar erspart geblieben. Wie auch den zweiundzwanzig angereisten Bischöfen aus fünfzehn Ländern und fünf Kontinenten...

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