Veranstaltung von DIP, GEW und Ver.di am 1. April 2014 um 20.00 Uhr in der Kulturwerkstatt

„Ist die schon zwangsverheiratet? Darf die hier eigentlich ohne männliche Begleitung rumlaufen? Oder liegt das Einkaufszentrum noch im Radius dieser legendären Kamel-Fatwa?“

Über muslimische Frauen gibt es viele Vorurteile, mit denen die Autorin Sineb El Masrar aufräumen will. Die junge Deutsch-Marokkanerin, 1981 in Hannover geboren, hat mit „Muslim Girls“ ein Buch geschrieben, das – durchaus subjektiv – über das Leben muslimischer Frauen in Deutschland aufklärt. Entstanden ist dabei eine Art „Anti-Sarrazin“.

Dabei ist Ironie ihre schärfste Waffe: „Da sind wir also! Diese Horde daher gelaufener Terrorismus-Sympathisantinnen. Die sich mit ihren muslimischen Männern wie die Karnickel vermehren, ein Kopftuchmädchen nach dem anderen produzieren und willenlos in der Küche des Hauses auf die Befehle ihrer Väter, Brüder und Ehemänner warten.“ 

Mit ihrer humorvollen und lebensnahen Kulturstudie über den Alltag von jungen Muslimas in Deutschland macht Sineb El Masrar schnell deutlich, dass „Muslim Girls“ all das nicht sind. Gängige Klischees über Migranten, Moslems und den Islam widerlegt sie mit viel Kenntnis und der Absicht, das in der Gesellschaft vorherrschende „Halbwissen“ zu verbessern und „den einen oder anderen Nadelstich zu setzen, um die vorurteilsbeladenen Seifenblasen zum Platzen zu bringen“.

Die wahren Probleme der mittlerweile vierten Einwandergeneration sieht Sineb El Masrar z.B. im deutschen Schulsystem, das Menschen mit muslimischer Herkunft eher ausgrenzt und auch im Ausland erworbene Abschlüsse selten anerkennt. Oder in der tendenziösen Berichterstattung der Medien, der Darstellung des Islam als Bedrohung.

Und genau das ist für El Masrar der Ansatzpunkt, wenn man es mit der Integration ernst meint. Eine Beziehung zu Deutschland kann nur aufbauen, wer sich ernst genommen und verstanden fühlt, sagt sie und verweist auf das Stichwort „doppelte Staatsbürgerschaft“. Sie stellt fest, dass sich derzeit nur 20 Prozent der Muslime im Land als Deutsche fühlen. In anderen Ländern wie z.B. Großbritannien sei das Verhältnis umgekehrt.

Sineb El Masrar gründete 2006 das einzige multikulturelle Frauenmagazin „Gazelle“. Sie war von 2010 bis 2013 Teilnehmerin der Deutschen Islam Konferenz, sie lebt und arbeitet in Berlin.

Die Lesung mit Interview und Diskussion findet statt am 1. April um 20 Uhr in der Cafeteria der Kulturwerkstatt. Die Moderation übernimmt Roswitha Köllner, Vorsitzende der Demokratischen Initiative Paderborn (DIP).