In den letzten Tagen und Wochen haben wir eine Diskussion in Paderborn erlebt, die deutlich macht, dass wir noch weit vom sogenannten „Schulterschluss“ der Demokraten entfernt sind.

Immer wieder höre ich das Argument, Gegendemonstrationen würden nur die AfD aufwerten und für unnötige Publizität sorgen. Stattdessen bevorzuge man die inhaltliche Auseinandersetzung. Außerdem sei das „Bündnis für Toleranz und Demokratie“ ein Sammelbecken linker Organisationen und Personen, wie ich heute lesen musste.

Das kommt mir schon ein bisschen zynisch vor. Wer meint, die AfD noch totschweigen zu können, hat den Kopf schon bis über beide Ohren in den Sand gesteckt. Und wer noch meint, mit dem Hinweis auf Linke Extremisten sich abgrenzen zu müssen, bewegt sich historisch noch in den Schützengräben des Kalten Krieges. Und eine inhaltliche Auseinandersetzung kann ich auch nicht erkennen. Dafür gibt es wohl auch zu viele politische Schnittmengen, schließlich sind die meisten Funktionäre der AfD „Fleisch vom Fleische“.

Mir geht es auch nicht um die AfD allein. Mir geht es um die Entwicklung in unserer Gesellschaft  und in unserer Stadt. Das gesellschaftliche Klima ist entscheidend für ihre Entwicklungsbedingung.

Ich möchte, dass Paderborn weiterhin weltoffen bleibt. Ich möchte, dass in Paderborn Muslime weiterhin unbehelligt ihre religiösen Überzeugungen leben können.  Ich möchte, dass in Paderborn Menschen mit anderer Hautfarbe, mit anderen sexuellen Orientierungen oder Weltanschauungen ohne Anfeindungen durch die Stadt gehen können. Und ich möchte, dass in Paderborn niemand seine rassistischen, nationalistischen und menschenfeindlichen Parolen unwidersprochen auf öffentlichen Plätzen schreien darf.

Weil das zu einer anderen Gesellschaft führt, an deren Beginn die Ausgrenzung von Minderheiten und am Ende brennende Häuser und Menschen steht. Wer dann vom  „Schulterschluss der Demokraten“ spricht und sich selber abgrenzt, hat die Gefahr noch nicht erkannt.

Was wäre denn die Alternative? Niemand würde heute gegen diese Scharfmacher und Provokateure protestieren? Für viele verunsicherte Menschen in der Stadt würde doch der Eindruck entstehen:

Populistische Hetze  ist etwas ganz  Normales! Ist quasi in der Gesellschaft akzeptiert.

Nein, das ist es nicht und darf es nie werden. Deshalb ist es richtig, dass wir heute hier sind und wieder kommen werden.

Wir müssen uns natürlich auch Fragen stellen. Warum gerade immer wieder Paderborn? Warum der Zulauf für eine Partei, die ein historisches Rollback bedeutet? Wer profitiert da eigentlich von? Die Antworten wären abendfüllend.

Ein Gedanke scheint mir aber in die richtige Richtung zu führen: Die einzigen Flüchtlinge in diesem Land, die die Härte des Gesetzes spüren und verfolgt werden sollten, sind die Steuerflüchtlinge!