Günther Helling, Geschäftsführer von KIM, gab zunächst einen Überblick über die unterschiedlichen Möglichkeiten, die es in Paderborn für wohnungslose Menschen gibt. Neben der städtischen Übernachtungsstelle in der Wollmarktstraße führt KIM eine Übernachtungsstelle Am Busdorf. Beide Übernachtungsstellen bieten jeweils 20 Notübernachtungsplätze; Am Busdorf sind davon 8 Schlafplätze für Frauen vorgesehen. „Erste Anlaufstelle für wohnungslose Menschen ist meistens das von KIM betriebene Kontakt-Café am Busdorf. Hier gibt es niederschwellige Hilfsangeboten für süchtige und obdachlose Menschen“; sagt Helling und ergänzt: „Etwa 30% der Leute, die die Notübernachtung nutzen, können zur Therapie bewegt werden oder evtl. in die Familie zurückgeführt werden.“

„Wie sieht es mit der Belegung der Notübernachtungsplätze aus?“ wollte Reinhard Borgmeier, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion wissen. Die Schlafplätze würden gut angenommen, allerdings mussten in diesem Jahr 100 Menschen abgewiesen werden, so Helling.

Neben den Notunterkünften unterhält KIM auch sozialtherapeutische Wohngemeinschaften jeweils für Frauen oder Männer. Sie sind gedacht für Menschen, die erfolgreich Maßnahmen beendet haben und jetzt schrittweise wieder den Weg in ein geordnetes Leben finden wollen, z.B. Drogenabhängige oder ehemalige Häftlinge. 2016 betraf das in Paderborn 96 Menschen, für die entsprechende Wohnungen gesucht wurden. „Hier würde es sehr helfen, wenn die Stadt ein Belegungsrecht hätte“, so Günther Helling, „denn viele Vermieter sind sehr skeptisch gegenüber diesem Personenkreis.“
Die Wohnungspolitik sieht Helling folglich als großen Bereich an, in dem die Politik eingreifen muss. „Während der Bedarf im Bereich Notübernachtung zurzeit (noch) gedeckt ist, gibt es einen großen Bedarf an Wohnungen. Jedes Jahr werden allein für Menschen in schwierigen Lebenssituationen ca. 50 – 60 Wohnungen benötigt“, so Helling.

„Wir behalten das Thema im Auge“, versichert Reinhard Borgmeier und fügt ergänzend hinzu: „Die Politik ist hier in der Pflicht den dringend benötigten geförderten Wohnungsbau voranzutreiben.“