Alleinerziehende Stephanie Jochim muss wegen ihres Nachtdienstes mehr zahlen
VON ANDREAS GÖTTE

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Paderborn. Seit fünf Jahren erzieht Stephanie Jochim ihre kleine Tochter Chiara alleine. Finanziell kommt sie einigermaßen klar. Die 34-Jährige arbeitet im Nachtdienst als Krankenschwester im Paderborner Brüderkrankenhaus. Immer sechs Nächte arbeitet sie, dann hat sie acht Nächte frei. Die 75-Prozent-Stelle macht ihr Spaß. Wenn da nur nicht die doppelte Bezahlung für die Betreuung ihrer kleinen Tochter wäre.

Denn Stephanie Jochim muss nicht nur eine Tagesmutter für die nächtliche Betreuung von Chiara bezahlen, sondern auch die 45-Stunden-Betreuung in einer Kindertagesstätte nutzen, obwohl sie mit 25 oder 30 Stunden auskommen würde. "Hierfür gibt es aber in Paderborn leider zu wenig Plätze", bedauert sie. "Ich zahle mehr, als ich nutze", ärgert sie sich und fühlt sich ungleich behandelt und "von der Stadt bestraft". Inklusive Essensgeld zahlt sie monatlich 215 Euro.

Stephanie Jochim wünscht sich flexiblere Modelle und fordert generell für Alleinerziehende im Schichtdienst individuell an den Bedarf angepasste Betreuungszeiten.

Zudem sei es schwierig, Tagesmütter zu finden, die bereit seien, auch am Wochenende und an Feiertagen zu arbeiten. Lediglich zwei hätten sich in Paderborn dazu bereiterklärt, sagt sie. Auch ihrer Tagesmutter in Schloß Neuhaus möchte die Wahl-Paderbornerin das nicht ständig zumuten. "Dann springen Freunde und Nachbarn ein. Ohne die wäre ich ziemlich aufgeschmissen." Aber auch ihr Arbeitgeber komme ihr sehr entgegen, lobt Stephanie Jochim. Für sie wären Kindertagesstätten mit einer Übernachtbetreuung eine gute Lösung. So etwas gebe es bereits in anderen Städten. Auch ein Betreuungsservice, beispielsweise mit ehrenamtlichen Senioren, sei doch eine gute Idee.

In den Tagdienst möchte Stephanie Jochim am Krankenhaus nicht wechseln. "Ich möchte gerne in der Pflege bleiben, außerdem würde ich dann weniger Geld verdienen", sagt sie. Zu Hause bleiben und auf die Grundsicherung (Hartz IV) zurückgreifen, möchte sie nicht. Sie möchte arbeiten.

Roswitha Köllner (DIP) schüttelt bei solchen Regelungen den Kopf. "Frau Jochim hat nur ein Einkommen und muss zweimal zahlen, das ist grotesk", ärgert sich die Politikerin. Vielleicht verzichte ja das Jugendamt aus Kulanzgründen auf eine Bezahlung. "Die Arbeitszeiten werden immer flexibler, da müssen auch die Betreuungszeiten flexibler werden", sagt sie. Köllner hält Kindertagesstätten mit Nachtstunden für sinnvoll. Mit der Doppelbezahlung müsse Schluss sein. Stephanie Jochim ist mit ihrer fünfjährigen Chiara kein Einzelfall. Schichtdienst und Arbeit an den Wochenenden nehmen zu. "Wir brauchen deshalb kreative Lösungen", fordert Roswitha Köllner.

© 2014 Neue Westfälische, Paderborn, Freitag 16. Mai 2014