Betrifft: "SPD nennt Koch Brunnenvergifter" (NW vom 13./14. Dezember), Leserbrief von Friedhelm Koch (NW vom 16. Dezember).

Von Reinhard Borgmeier

Friedhelm Koch, Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung hier vor Ort, bereitet gern deftige politische Speisen zu. Nicht alle sind bekömmlich.

Man kann aus sachlichen Gründen die Politik der sozialdemokratisch-grünen Landesregierung in NRW für falsch halten und dies polemisch ausdrücken. Die Regierenden "Pack" zu nennen, zeugt aber nicht gerade von politischer Kochkunst.

Jetzt hat Friedhelm Koch noch mal eins draufgesetzt, es geht dabei um den Landesentwicklungsplan. Über den sagt er, die Landesregierung "führe sich auf wie eine Besatzungsmacht" und bringe "den Morgenthauplan zur Anwendung".

Wie mag er auf diese propagandistische Würzung verfallen sein? Der genannte "Plan" war eine interne Ausarbeitung des damaligen US-Finanzministers Henry Morgenthau im Jahre 1944. Er enthielt Vorschläge zum Umgang mit Deutschland nach dem zu erwartenden Ende des Hitler-Regimes. Die Regierung der USA machte sich diese Ideen nicht zu eigen. Aber durch Indiskretion kam das Papier an die Öffentlichkeit und diente sodann Joseph Goebbels, dem Chefdemagogen des "Dritten Reiches", zu einer wüsten, antisemitischen Hetze. "All-Juda" in Gestalt der US-Regierung, so hieß es, bereite sich darauf vor, nach einem Untergang des NS-Staates "die Deutschen auszurotten". (Morgenthau war jüdischer Herkunft.)

Noch bis heute machen Neonazis von dieser Legende eifrig propagandistischen Gebrauch. Und dieses Goebbels-Produkt kommt nun zur Verwendung gegen "das Pack in Düsseldorf"? Friedhelm Koch, das wissen wir, hat mit altem oder neuem Nazismus nichts im Sinn, sollte sich aber einen Berater zur Hilfe nehmen, der ihn vor vergifteten Beimischungen bei der Zubereitung politischer Propagandaspeisen warnt.