Auch die Paderstadt braucht einen Stadtoberen, wo kämen wir sonst hin, in der Verwaltung käme Freizeitlaune auf und im Rat würde Chaos ausbrechen. Also muss ein erfahrener Mensch her, der für Ordnung sorgt, am besten ein Mann; für eine Bürgermeisterin ist es hier am Ort noch zu früh. Jetzt sind zwei Kandidaten zur Hand. Der eine ist schon Bürgermeister in Salzkotten, gilt aber als zu Höherem berufen, er soll in die Metropole des Hochstifts wechseln. Die CDU hat ihn schon als Bewerber nominiert, und er hat versichert, zwischen ihn als Paderborner Stadtchef und seine Partei werde "kein Blatt Papier passen". Eine etwas altertümliche Redeweise im digitalen Zeitalter; heutzutage werden Streitereien doch per Mail oder Twitter ausgetragen. Den anderen Kandidaten hat die SPD ausfindig gemacht, der Zufall ist ihr offenbar zur Hilfe gekommen, und nun kann sie den hiesigen Kreis -"Polizeichef als Hoffnungsträger" präsentieren, wie die "Neue Westfälische" ihren Bericht überschreibt. Der hat, was bisher nicht aufgefallen war, ein SPD-Parteibuch, will jedoch überparteilicher Kandidat sein. Verteufeln kann ihn die CDU übrigens nicht, denn er hat Lob erfahren aus dem Munde Adenauers -  natürlich nicht des ganz berühmten Konrad, aber immerhin dessen Enkels Sven Georg,  Landrat des Kreises Gütersloh, wo unser Polizeichef auch einige Jahre beruflich tätig war.

Wessen Hoffnungen kann nun der sozialdemokratische Bewerber an sich ziehen? Gedacht ist neben der SPD an die Grünen, die DIP, die FBI und womöglich sogar an die FDP. Ausgenommen die letztgenannte Partei hätten sich bei den anderen Gruppierungen "die Spitzen" schon darauf geeinigt, den Polizeichef "ins Rennen zu schicken", meldete das "Westfälische Volksblatt". Da irrte sich das Heimatblatt, so einfach nach Kommando geht es inzwischen in der politischen Welt nicht mehr zu, die Mitglieder von Parteien und Bürgervereinigungen wollen gefragt werden, auch bei einer Kandidatur für das Bürgermeisteramt. Und nun in unsrer Stadt: Alle anderen gegen die CDU, ein von der SPD-Spitze entdeckter Bewerber als Gemeinschaftskandidat der "Opposition""? Da kommt der Paderbörner ins Grübeln, die Paderbörnerin auch: Gibt es nicht die bundesregierende Koalition von Union und SPD? Und in anderen Städten auch schwarz-grüne Koalitionen? Wie soll man da hier vor Ort die CDU und die SPD oder die Grünen politisch so richtig auseinanderhalten? Sodann DIP und FBI -  passen sie zusammen in ein Wahlbündnis? Und die FDP - war sie nicht lokal mit der CDU verbündet? Mal angenommen, der Kontrahent des CDU-Kandidaten kommt zu Erfolg - sollen diesem dann SPD, Grüne, DIP, FBI und vielleicht sogar die FDP (wenn sie wieder dabei ist) im Stadtrat treu, brav und einvernehmlich die Stange halten?

So einfach ist es nicht, sich da Durchblick zu verschaffen. Sicher, ein "Duell" zwischen nur zwei Bewerbern kann Spannung erzeugen. Aber es kann auch Verwirrung hervorbringen auf Seiten der "Opposition" gegen den CDU-Kandidaten, wenn nicht so richtig auszumachen ist, wo denn deren Gemeinsamkeit in der "Position" liegt. Fazit: Die Mitglieder der Organisationen, die nun über das oppositionelle Wahlbündnis entscheiden sollen, haben nicht das reine Vergnügen vor sich. Unser derzeitiger Polizeichef auch nicht - in seinem bisherigen Berufsbild ist das Duellieren nicht vorgesehen.