Betrifft: "Politisches an der Theke", NW vom 24. April 2014

Von Dr. Arno Klönne

Selbstverständlich ist es gut, dass auch in Paderborn ein Integrationsrat besteht, und es ist richtig, zur Beteiligung an dessen Wahl aufzufordern und seine Kompetenzen zu stärken. Falsch wäre es zu meinen, damit sei nun alles für die Integration der Paderborner mit "Migrationshintergrund" getan und schon bald seien alle Fragen in dieser Sache gelöst. Fragwürdig ist die Neigung, sich von einem Problem, das allgemeines gesellschaftliches Engagement erfordert, durch Abgabe an ein spezielles Gremium entlastet zu fühlen, das Thema sozusagen zu verinseln.

In unserer Einwanderungsstadt (da ist der Blick auf die demographischen Daten zu empfehlen) stellen sich auf längere Sicht für Menschen mit Migrationsgeschichte erhebliche Probleme, sie betreffen u.a. die soziale Lage, die Bildungseinrichtungen, den Arbeitsmarkt - also die Kommunalpolitik insgesamt. Deshalb ist es zu wünschen, dass in den Fachausschüssen des Rates Vertreter des Integrationsrates zu Wort kommen. Notwendig ist auch eine Veränderung in der Form der Grundschulen, hin zur Gemeinschaftsschule. Nützlich wäre (und im Zuge der Konversion bisheriger Militärgebäude zu realisieren) ein "Haus der Begegnung", in dem über die erfreuliche Tätigkeit einzelner Vereine etc. hinaus der Kontakt, der Austausch und auch die offene Diskussion über Problemlagen bei der Integration ihren Platz hätten.

Nach meinem Eindruck von der Veranstaltung des Integrationsrates, an der ich als Vertreter der DIP an der "Theke" teilgenommen habe, gehen die Erwartungen von Paderbornern mit "Migrationshintergrund", die in der Diskussion ja lebhaft zum Ausdruck kamen, in diese Richtung: Den Wandel der Stadtgesellschaft durch Zuwanderung nachhaltig zu einem Schwerpunkt der kommunalpolitischen Aktivitäten zu machen.