In der hessischen grünen Partei, so berichtet die "Frankfurter Allgemeine", herrsche Vorfreude wie auf Weihnachten - weil der CDU-Landesvater Volker Bouffier angeboten hat, schwarz-grüne Koalitionsverhandlungen zu führen. Die Bundeskanzlerin, heißt es, habe grünes Licht dafür gegeben. Das liegt nahe, denn sie braucht auf Bundesebene eine Ersatzlösung, wenn die Große Koalition doch nicht zustandekommt oder demnächst wieder auseinanderbricht. Und Hessen bietet sich als Versuchsterrain dafür an, wie die Grünen regierungsfromm zu halten sind.

Der heimische Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann hat einen Aufmerksamkeitserfolg erzielt:

Durch die Medien ging die Nachricht, er habe als "Vertreter des Wirtschaftsflügels in der CDU" anläßlich der großkoalitionären Verhandlungen daran erinnert, dass "bei der Bundestagswahl die SPD der Verlierer gewesen" sei.

Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Co., mit ihnen auch die deutsche Öffentlichkeit, so müssen wir annehmen, hatten das inzwischen vergessen.

Aber nun wissen sie es wieder, ein Paderborner Politiker leidet eben nicht unter Erinnerungsschwäche.

Die letzte Gelegenheit zum Besuch von CREDO zu nutzen - dazu fordert jetzt die "Blaue Narzisse" auf, eine umtriebige und beachtlich vernetzte Internetzeitung der Neuen Rechten. Die Paderborner Ausstellung bekommt dort eine Empfehlung mit leichtem Vorbehalt: "Der konservative Besucher weiß die zum Glück nicht allzu häufigen Verneigungen der CREDO vor dem Zeitgeist gut einzuordnen. " Eine kleine Sünde der Ausstellungsmacher also, die leicht zu vergeben ist.

Unsere beiden Heimatzeitungen sind in Rage: Die nordrheinwestfälische Landesmutter habe sich auf "krumme Wege" begeben, klagt der Leitartikler des "Westfälischen Volksblattes"; Hannelore Kraft sei eine "Schein-Riesin", erfahren wir aus der "Neuen Westfälischen", sie habe "die Basis der SPD überfordert". Und ähnliche Bewertungen bekommt die SPD-Spitzenpolitikerin auch in der überregionalen Presse. Wieder einmal der "Fahrstuhleffekt" im Umgang der Medien mit Politprominenz: Da wird jemand imagefördernd erst ganz nach oben gehievt - und dann geht es ebenso rasch wieder nach unten.

Spielt die FDP bundespolitisch nun keine Rolle mehr? Da sei Dr. Carsten Linnemann aus Paderborn vor, frisch gekürter Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung. Der 36-jährige frühere Zögling von Ex-Deutsche Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter soll dem ins mediale Hintertreffen geratenen christdemokratischen Wirtschaftsflügel neuen Schwung verleihen. Und: „Die FDP-Wähler brauchen eine neue Heimat“. Die fänden sie laut Christian von Stetten, Vorsitzender des „Parlamentskreises Mittelstand“, nun bei Linnemann.